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[:de]Streitkultur & Meditation[:]

[:de]Handgriffe wie „ja und“ statt „ja aber“ und Techniken wie NLP sind vielen bekannt und werden häufig als einstudierte Taktiken in schwierigen Gesprächen genutzt. Wie wäre es, wenn wir lernen könnten in einem kritischen Moment spontan und wirklich authentisch agieren zu können?

Interessiert?

Meditation und die damit verbundene Philosophie fokussiert sich ja bekanntlich auf das Hier & Jetzt – auf den Moment. Im Hier und Jetzt kann ich beobachten und bemerken was mich gerade reitet und meine Wahrnehmung und damit meine Realität verzerrt.

Wie kann Meditation also konkret dabei helfen emotional diffizile Situationen zu meistern? Kann ich auch ohne einstudierte Rhetorik-Floskeln in jeder Situation „cool“ bleiben?

Schauen wir uns dazu ein Phänomen an, welches der Psychologe Paul Ekman als ERP („emotional refractory period“) in seinem Buch „Emotions Revealed“ beschrieben hat. Der Zustand des ERP ist in der Realität jedem von uns bekannt. Es ist dieser Augenblick (oder diese Weile) in der wir unsere Balance verlieren, oder wie der Angelsachse sagen würde „lose our cool“. Stellen wir uns zur Verbildlichung die folgende Situation vor: Erinnern wir uns doch an ein Gespräch mit jemandem, der etwas gesagt hat, was uns aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Vielleicht erinnern wir uns auch daran, dass wir uns nicht schnell genug erholen konnten, um der Person wohlwollend zu antworten.

Insbesondere in der aktuellen Debatte um unser aller Lieblingsthema kann sowas recht schnell passieren.

Wenn wir uns in der emotionalen Refraktärphase (ERP) befinden, gibt es eine Zeitspanne, in der wir von Emotionen gepackt werden. Dies veranlasst unsere emotionalen Filter dazu sich auf das zu beschränken, was zu unserer gegenwärtigen Emotion passt. Gegenbeweise oder -erfahrungen bspw. aus der Vergangenheit werden in dieser Phase relativ konsequent ausgeblendet. Wer sich schon einmal mit seinem Partner oder Eltern gestritten hat, kann sich vielleicht an eine solche Situation erinnern.

Wenn wir in einer solchen Situation gefragt werden würden über die andere Person etwas Positives sagen zu müssen, würde es uns schwer fallen sofort etwas passendes parat zu haben, obwohl unser Gedächtnis mit solchen Erinnerungen gefüllt sein müsste (um beim Beispiel Partner zu bleiben). Es scheint fast so, als wären wir vorübergehend verrückt geworden und könnten auf unsere übliche Intelligenz und Gedächtnis nicht mehr zugreifen. Ist der ERP einmal vorbei, fällt es uns wieder leicht an positive Aspekte zu denken und diese zu verbalisieren.

Faszinierend ist, dass das ERP sowohl für negative Emotionen, als auch für positive gilt (Stichwort „rosarote Brille“). Daran zeigt sich auch, dass die Dauer des ERP situativ sehr stark variiert.

Die ERP-Momente erfassen uns zumeist ohne Vorwarnung und überrennen uns wie ein „Flash“.  In diesem Moment schaltet das Gehirn sofort in die Beta-Wellenfrequenz, welche mit Stress und auch selektiver Wahrnehmung (Fokus) assoziiert wird.

Wie kann ich lernen damit umzugehen?

Meditation kann hier eine sehr wertvolle Ressource sein. Sowohl als sofortige „Abhilfemaßnahme“, als auch als langfristiges Training im Umgang und der zügigen Erkennung dieses Zustandes bei mir selbst, aber auch bei anderen (dazu gleich mehr).

Da wir ja alle die Veränderung sein wollen, die wir in der Welt sehen möchten (zumindest suggeriert das jeder zweite Post und Profilslogen dieser Tage auf sozialen Medien), fangen wir bei uns selbst an. Wie erwähnt, können wir kurzfristig und langfristig damit den ERP handhaben lernen.

Kurzfristig: Mit bestimmten Meditationstechniken, wie beispielsweise der „Vagal-Atmung“, können wir uns selbst aus dem ERP herausmanövrieren, indem wir unser Gehirn aus dem Beta-Frequenzbereich in Alpha bewegen. Das kann je nach Situation unterschiedlich lange dauern, ist aber einem unsachlichen Streit mit ggf. realen Konsequenzen zu bevorzugen. Voraussetzung hierzu ist allerdings unsere eigene Fähigkeit uns selbst zu gestehen, dass wir uns gerade im ERP befinden. Das bringt mich zu der langfristigen Geschichte…

Langfristig: Wer unserem Content folgt, weiß vermutlich, dass Meditation für uns im Wesentlichen das Beobachten ist. In der Meditation lernen wir das Beobachten des Selbst, des Egos und des Verstandes. Die Meditation ist demnach nur ein Trainingstool zur wacheren, bewussteren Haltung, die es uns ermöglicht immer wieder und immer schneller in die Beobachterrolle zu kommen. Je besser das gelingt, desto schneller kann ich erkennen, wenn das ERP mich überkommt und das ich gerade einer Wahrnehmungsverzerrung unterliege, da z.B. das Gesagte quer zu meiner Haltung/Meinung/Werten/Ansichten liegt. Manche Zen-Meister gehen sogar so weit zu behaupten, dass wir mit genügend Bewusstheit erst gar nicht in den ERP kommen würden. Einen Beweis dessen muss ich aber erst noch antreten ? – bin dran.

Generell muss noch erwähnt werden, dass wir uns keinesfalls selbst dafür verurteilen sollten einem ERP unterlegen zu sein oder zu unterliegen. Das ist allzu menschlich und wohl ein Teil unserer Psyche. Die Beobachtung eines ERP sollten wir dankend registrieren und uns eher darüber freuen, dass wir ihn beobachten konnten – ähnlich wie bei Gedanken in der Meditation. Nur so können wir immer besser werden in der Beobachtung und dem Entlarven der ERP Zustände.

Umgang mit anderen, die sich vermeintlich gerade unter ERP Einfluss befinden:

In einer solchen Situation neigen wir dazu der anderen Person durch Argumente/Beweise aufzuzeigen, dass er/sie einer Wahrnehmungsverzerrung unterliegt. Diese Strategie führt in den allermeisten Fällen zu einer Verschlimmerung der Situation, da die andere Person vorübergehend nur einen stark eingeschränkten Zugriff auf das eigene Gedächtnis und die Intelligenz hat. Die Emotionen und deren Konsequenzen im Körper-Geist dominieren. Das kann dazu führen, dass die Person statt die „Schieflage“ zu erkennen, sogar noch weiter erzürnt wird. Die Wahrnehmungsverzerrung kann dazu führen, dass sie ggf. unterstellen wird noch schlechter dargestellt zu werden bzw. das Gefühl haben wird ihrer Meinungsfreiheit/Meinung würde ihr abgesprochen werden.

Es wird empfohlen etwas Abstand/Zeit wirken zu lassen und das Gespräch nach dem ERP fortzuführen. Soweit so gut und auch kein Novum, aber wie können wir erkennen, dass mein Gegenüber gerade im ERP ist und wie erkenne ich, wann er vorbei ist?

Wie mit den meisten Wahrnehmungsverzerrungen – es ist deutlich einfacher diese im Außen zu beobachten, wenn ich den Mut aufgebracht habe diese bei mir selbst zu sehen und zu beobachten. Hier schließt sich der Kreis des Tools Meditation.

Interessante Randnotizen zum ERP

Wie immer empfehlen Psychologen einen Blick in die Vergangenheit. So stellt auch Ekman fest, dass eine ungelöste emotional geladene Situation aus der Vergangenheit ausschlaggebend für den „Schweregrad“ und Zusammenhang des ERP sind.

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass die Dauer der ERPs eine wichtige Variable darstellt. Je länger ein ERP andauert ohne von uns als solches entdeckt (und damit ggf. „abgefangen“ zu werden), desto permanenter ist der „Abdruck“, den dieser emotionale Ausnahmezustand hinterlässt. Ein ERP von mehreren Tagen kann irreversible Verzerrungen der eigenen Wahrnehmung verursachen. Ekmans Aussagen zufolge ist eine möglichst rasche Aufarbeitung empfehlenswert, um die Schwere der Verzerrung zu lindern.

Corona und ERP

Natürlich kann kein Artikel oder Post heutzutage ohne COVID-19 auskommen. Manchmal drängen sich mir Parallelen zum Salz beim Kochen auf. Ein Thema schmeckt heute recht fad, wenn nicht der Bogen zu Corona gespannt werden kann.

Also los…

Der Weg zu einem stabilen und offenen politischen System führt über stabile und offene Individuen, die sich nicht mehr so leicht von den emotionalen Mustern ihrer Vergangenheit manipulieren lassen. Das sehe ich persönlich aktuell eher weniger auf den Bildschirmen und in Medien (fast) weltweit.

Das ERP betrifft daher nicht nur Individuen, sondern auch Gesellschafften – so wie unsere. An der aktuellen Demarkationslinie „Schaaf“/“Verschwörungtheoretiker“ können wir den ERP wirken sehen und auch an uns selbst beobachten (lernen).[:]

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[:de]Streitkultur & Meditation[:]

[:de]Handgriffe wie „ja und“ statt „ja aber“ und Techniken wie NLP sind vielen bekannt und werden häufig als einstudierte Taktiken in schwierigen Gesprächen genutzt. Wie wäre es, wenn wir lernen könnten in einem kritischen Moment spontan und wirklich authentisch agieren zu können?

Interessiert?

Meditation und die damit verbundene Philosophie fokussiert sich ja bekanntlich auf das Hier & Jetzt – auf den Moment. Im Hier und Jetzt kann ich beobachten und bemerken was mich gerade reitet und meine Wahrnehmung und damit meine Realität verzerrt.

Wie kann Meditation also konkret dabei helfen emotional diffizile Situationen zu meistern? Kann ich auch ohne einstudierte Rhetorik-Floskeln in jeder Situation „cool“ bleiben?

Schauen wir uns dazu ein Phänomen an, welches der Psychologe Paul Ekman als ERP („emotional refractory period“) in seinem Buch „Emotions Revealed“ beschrieben hat. Der Zustand des ERP ist in der Realität jedem von uns bekannt. Es ist dieser Augenblick (oder diese Weile) in der wir unsere Balance verlieren, oder wie der Angelsachse sagen würde „lose our cool“. Stellen wir uns zur Verbildlichung die folgende Situation vor: Erinnern wir uns doch an ein Gespräch mit jemandem, der etwas gesagt hat, was uns aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Vielleicht erinnern wir uns auch daran, dass wir uns nicht schnell genug erholen konnten, um der Person wohlwollend zu antworten.

Insbesondere in der aktuellen Debatte um unser aller Lieblingsthema kann sowas recht schnell passieren.

Wenn wir uns in der emotionalen Refraktärphase (ERP) befinden, gibt es eine Zeitspanne, in der wir von Emotionen gepackt werden. Dies veranlasst unsere emotionalen Filter dazu sich auf das zu beschränken, was zu unserer gegenwärtigen Emotion passt. Gegenbeweise oder -erfahrungen bspw. aus der Vergangenheit werden in dieser Phase relativ konsequent ausgeblendet. Wer sich schon einmal mit seinem Partner oder Eltern gestritten hat, kann sich vielleicht an eine solche Situation erinnern.

Wenn wir in einer solchen Situation gefragt werden würden über die andere Person etwas Positives sagen zu müssen, würde es uns schwer fallen sofort etwas passendes parat zu haben, obwohl unser Gedächtnis mit solchen Erinnerungen gefüllt sein müsste (um beim Beispiel Partner zu bleiben). Es scheint fast so, als wären wir vorübergehend verrückt geworden und könnten auf unsere übliche Intelligenz und Gedächtnis nicht mehr zugreifen. Ist der ERP einmal vorbei, fällt es uns wieder leicht an positive Aspekte zu denken und diese zu verbalisieren.

Faszinierend ist, dass das ERP sowohl für negative Emotionen, als auch für positive gilt (Stichwort „rosarote Brille“). Daran zeigt sich auch, dass die Dauer des ERP situativ sehr stark variiert.

Die ERP-Momente erfassen uns zumeist ohne Vorwarnung und überrennen uns wie ein „Flash“.  In diesem Moment schaltet das Gehirn sofort in die Beta-Wellenfrequenz, welche mit Stress und auch selektiver Wahrnehmung (Fokus) assoziiert wird.

Wie kann ich lernen damit umzugehen?

Meditation kann hier eine sehr wertvolle Ressource sein. Sowohl als sofortige „Abhilfemaßnahme“, als auch als langfristiges Training im Umgang und der zügigen Erkennung dieses Zustandes bei mir selbst, aber auch bei anderen (dazu gleich mehr).

Da wir ja alle die Veränderung sein wollen, die wir in der Welt sehen möchten (zumindest suggeriert das jeder zweite Post und Profilslogen dieser Tage auf sozialen Medien), fangen wir bei uns selbst an. Wie erwähnt, können wir kurzfristig und langfristig damit den ERP handhaben lernen.

Kurzfristig: Mit bestimmten Meditationstechniken, wie beispielsweise der „Vagal-Atmung“, können wir uns selbst aus dem ERP herausmanövrieren, indem wir unser Gehirn aus dem Beta-Frequenzbereich in Alpha bewegen. Das kann je nach Situation unterschiedlich lange dauern, ist aber einem unsachlichen Streit mit ggf. realen Konsequenzen zu bevorzugen. Voraussetzung hierzu ist allerdings unsere eigene Fähigkeit uns selbst zu gestehen, dass wir uns gerade im ERP befinden. Das bringt mich zu der langfristigen Geschichte…

Langfristig: Wer unserem Content folgt, weiß vermutlich, dass Meditation für uns im Wesentlichen das Beobachten ist. In der Meditation lernen wir das Beobachten des Selbst, des Egos und des Verstandes. Die Meditation ist demnach nur ein Trainingstool zur wacheren, bewussteren Haltung, die es uns ermöglicht immer wieder und immer schneller in die Beobachterrolle zu kommen. Je besser das gelingt, desto schneller kann ich erkennen, wenn das ERP mich überkommt und das ich gerade einer Wahrnehmungsverzerrung unterliege, da z.B. das Gesagte quer zu meiner Haltung/Meinung/Werten/Ansichten liegt. Manche Zen-Meister gehen sogar so weit zu behaupten, dass wir mit genügend Bewusstheit erst gar nicht in den ERP kommen würden. Einen Beweis dessen muss ich aber erst noch antreten ? – bin dran.

Generell muss noch erwähnt werden, dass wir uns keinesfalls selbst dafür verurteilen sollten einem ERP unterlegen zu sein oder zu unterliegen. Das ist allzu menschlich und wohl ein Teil unserer Psyche. Die Beobachtung eines ERP sollten wir dankend registrieren und uns eher darüber freuen, dass wir ihn beobachten konnten – ähnlich wie bei Gedanken in der Meditation. Nur so können wir immer besser werden in der Beobachtung und dem Entlarven der ERP Zustände.

Umgang mit anderen, die sich vermeintlich gerade unter ERP Einfluss befinden:

In einer solchen Situation neigen wir dazu der anderen Person durch Argumente/Beweise aufzuzeigen, dass er/sie einer Wahrnehmungsverzerrung unterliegt. Diese Strategie führt in den allermeisten Fällen zu einer Verschlimmerung der Situation, da die andere Person vorübergehend nur einen stark eingeschränkten Zugriff auf das eigene Gedächtnis und die Intelligenz hat. Die Emotionen und deren Konsequenzen im Körper-Geist dominieren. Das kann dazu führen, dass die Person statt die „Schieflage“ zu erkennen, sogar noch weiter erzürnt wird. Die Wahrnehmungsverzerrung kann dazu führen, dass sie ggf. unterstellen wird noch schlechter dargestellt zu werden bzw. das Gefühl haben wird ihrer Meinungsfreiheit/Meinung würde ihr abgesprochen werden.

Es wird empfohlen etwas Abstand/Zeit wirken zu lassen und das Gespräch nach dem ERP fortzuführen. Soweit so gut und auch kein Novum, aber wie können wir erkennen, dass mein Gegenüber gerade im ERP ist und wie erkenne ich, wann er vorbei ist?

Wie mit den meisten Wahrnehmungsverzerrungen – es ist deutlich einfacher diese im Außen zu beobachten, wenn ich den Mut aufgebracht habe diese bei mir selbst zu sehen und zu beobachten. Hier schließt sich der Kreis des Tools Meditation.

Interessante Randnotizen zum ERP

Wie immer empfehlen Psychologen einen Blick in die Vergangenheit. So stellt auch Ekman fest, dass eine ungelöste emotional geladene Situation aus der Vergangenheit ausschlaggebend für den „Schweregrad“ und Zusammenhang des ERP sind.

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass die Dauer der ERPs eine wichtige Variable darstellt. Je länger ein ERP andauert ohne von uns als solches entdeckt (und damit ggf. „abgefangen“ zu werden), desto permanenter ist der „Abdruck“, den dieser emotionale Ausnahmezustand hinterlässt. Ein ERP von mehreren Tagen kann irreversible Verzerrungen der eigenen Wahrnehmung verursachen. Ekmans Aussagen zufolge ist eine möglichst rasche Aufarbeitung empfehlenswert, um die Schwere der Verzerrung zu lindern.

Corona und ERP

Natürlich kann kein Artikel oder Post heutzutage ohne COVID-19 auskommen. Manchmal drängen sich mir Parallelen zum Salz beim Kochen auf. Ein Thema schmeckt heute recht fad, wenn nicht der Bogen zu Corona gespannt werden kann.

Also los…

Der Weg zu einem stabilen und offenen politischen System führt über stabile und offene Individuen, die sich nicht mehr so leicht von den emotionalen Mustern ihrer Vergangenheit manipulieren lassen. Das sehe ich persönlich aktuell eher weniger auf den Bildschirmen und in Medien (fast) weltweit.

Das ERP betrifft daher nicht nur Individuen, sondern auch Gesellschafften – so wie unsere. An der aktuellen Demarkationslinie „Schaaf“/“Verschwörungtheoretiker“ können wir den ERP wirken sehen und auch an uns selbst beobachten (lernen).[:]

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